Fred Thieler

(Königsberg 1916 - 1999 Berlin)
Autor: Hans Günter Golinski

Fred Thieler

Von der Nazibarbarei als Halbjude unmittelbar betroffen und zur Sprachlosigkeit gezwungen, sublimiert Fred Thieler seine innere Entfaltung mittels der Malerei. Durch den äußeren Druck auf sie geworfen, bleibt seine Bildwelt anfänglich auch dem Äußerlichen verhaftet; Im konventionellen Stil der Münchner Akademie bildet er Menschen, Landschaften und arrangierte Stillleben ab.
Nach dem Krieg setzt er den 'unfreiwilligen' Weg fort, sucht sich in der Kunst und damit in der Gesellschaft zu verorten; erste vorsichtige Befreiungsversuche vom Gegenstand finden in seinen Bildern statt. Hilfestellung gibt ihm dabei die Münchner Vereinigung von Künstlern und Theoretikern ZEN 49, die seit diesem Jahr den Schritt nach vorn ins ungewisse Neue proklamiert und zum Bruch mit denen, die "rückwärtsblickend auf der Stelle treten" (Geiger), aufruft. Diese zugleich künstlerische wie auch politische Haltung ist bestrebt, von der unmittelbar gemachten Erfahrung der NS-Diktatur und des Krieges abzuheben; Denn ein konkretes Aufarbeiten und Abrechnen mit der jüngsten deutschen Vergangenheit hieße für die Künstler eine inhaltliche Beschäftigung mit dieser Unkultur in ihren Werken. Stattdessen beziehen sie einen Standpunkt jenseits von Ideologien. Für Thieler ist es etwas "Prinzipielles, das aus der Nachkriegszeit kam. Wir sind angetreten mit der absoluten Verurteilung der Ideologien ... Und es ist natürlich schwierig, ohne Ideologien zu leben, es bedeutet einfach, ohne Sicherheit zu leben ..." Seine Generation habe versucht, sich "nicht an etwas anzuschließen, sondern nur eine eigene von uns und für uns anerkannte Gültigkeit mit aller Unsicherheit in unseren Bildern zu finden ..."

Auch für Thieler vollzieht sich Anfang der 50er Jahre eine neue Sichtweise auf die Malerei, auch er experimentiert mit ihren Mitteln und betreibt das Malen als 'forschendes Tun'. Die Ikonomachie der Informellen bedeutete ihm die Entleerung der Malerei von überkommenen Inhalten und Formen, das Erreichen eines Nullpunktes, von wo aus sie individuell neu belegt werden kann. Er befreit sich von seiner künstlerischen Vergangenheit, das heißt, den Gegenständen und Inhalten; das informelle Konzept bedeutet seinen Neuanfang dahingehend, daß Malerei für ihn zu Kommunikation an sich wird. Entstanden aus dem sozialen Bedürfnis eines gegenseitigen Mitteilens auf visuelle Weise und in dieser Funktion zu höchster Form gelangt, befindet sich die Malerei wieder einmal an einem Punkt ideologischer Überfrachtung, die ihrer Natur zuwiderläuft. Demgegenüber besteht die Gefahr des totalen Bedeutungsverlustes, eines Abgleitens ins Beliebige, was die dekorative Form zur Folge hat. Malerei dient dem Dialog, ist ein Verständigungsmittel, Malerei als Sprache muß verständlich sein, "sich nach bestimmten Gestalten und Leitthemen ausarbeiten, die zu Modellen gerinnen, welche man, mangels eines besseren Wortes, als Formen bezeichnet. Aber wenn Form, dann, in dem Sinne, daß sie den ganzen Spielraum ihrer vollkommen unbegrenzten, unvorhersehbaren und überquellenden Strukturentwicklung einbezieht." (Jaroslav Serpan).

Thieler setzt diesen Dialog kunstimmanent in Gang und führt ihn mit bildnerischen Mitteln, allen voran der Farbe, als Analogon zum unvermittelten menschlichen Zwiegespräch. Dialog meint ein Tun, das der Mitteilung, dem Austausch, der Erkenntnis dient, stellt eine elementare Daseinsäußerung dar. Ihm eine adäquate Form zu geben, ist der Inhalt Thielers Malerei. "Maler sein, heißt für mich, die Existenz eines Zeitgenossen zu führen, der den Hauptteil seines Daseins mit dem Versuch verbringt, die Impulse seines Lebens: Anregungen wie Depressionen, Intuitionen wie berechnende Überlegungen, Reaktionen aus Einzelergebnissen wie Erlebnisketten malerisch aufzuzeigen - oder im Malvorgang zu gewinnen. Malen bedeutet für mich, die Erfahrungsanalogien und -differenzen zu registrieren und ein Ergebnis zur Entstehung zu bringen, das, aus dem Malprozeß entlassen, für den Betrachter wie für den Maler selbst sich als Reflexion menschlichen Daseinserlebnisses darstellt und anbietet."

1916
geboren in Königsberg

1936 - 1941
Medizinstudium und Militärdienst

1941
Studienverbot

1946 - 1950
Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste, München bei Carl Caspar
Mitglied der Künstlergruppe ZEN 49

1951 - 1953
Aufenthalte in Paris
Studium im "Atelier 17"bei Stanley William Hayter
Kontakte zu Hans Hartung, Serge Poliakoff und Pierre Soulages

seit 1953
Mitglied der "Neuen Gruppe München"

seit 1954
Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, Berlin

1955
Teilnahme an der ersten Nachkriegsausstellung deutscher Kunst in Paris im "Cercle Volney", Paris
Premio Lissone, Italien

1958
Teilnahme an der XXIX. Biennale Venedig mit Rolf Cavael, K.O.Götz, Emil Schumacher, K.R.H. Sonderborg

1959
Professur an der Hochschule für bildende Künste Berlin (bis 1981)
Teilnahme an der "documenta II"

1964
Teilnahme an der "documenta III"

1967
Teilnahme an der Weltausstellung in Montreal, deutscher Pavillon

1972 - 1973
Gastprofessur am College of Art and Design, Minneapolis, USA

seit 1978
Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Neuen Darmstädter Sezession, Darmstadt

seit 1979
Mitglied der internationalen Gesellschaft für bildende Künste, Paris
(1979 - 1984 Vizepräsident, seit 1984 Ehrenpräsident)

1980 - 1983
Vizepräsident der Akademie der Künste Berlin

1985
Lovis-Corinth-Preis
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1991
Stiftung des Fred-Thieler-Preises für Malerei, Kunstpreis für junge Künstler

1999
gestorben in Berlin

Fred Thieler
o. T.

Entstehungsjahr: 1997
Größe: 75 × 108 cm
Material: Mischtechnik auf Karton
signiert und datiert unterhalb der Darstellung rechts
Sofort lieferbar
Preis auf Anfrage

Fred Thieler
o. T.

Entstehungsjahr: 1995
Größe: 70 × 108 cm
Material: Mischtechnik auf Karton
signiert und datiert unterhalb der Darstellung rechts
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Fred Thieler
o. T.

Entstehungsjahr: 1992
Größe: 150 × 200 cm
Material: Mischtechnik auf Leinwand
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